Sendung 7/2010: “Space Race” und “Final Frontier” – Die Eroberung des Weltraums

Am 21. Juli 1969 um 02:56:20 UTC betrat Neil Amstrong als erster Mensch den Mond
Vom Mond aus gesehen spielen die irdischen Grenzen kaum eine Rolle. Anders ist der Blick aber von hier unten nach oben. Der Weltraum ist nach wie vor eine der letzten unerforschten Grenze der Menschheit. Über den jahrtausende alten Blick zu den Sternen und den modernen Wettlauf zum Mond berichten Christine Krüger und Cornelia Pfeifer.
.
Podcast: Play in new window | Download
Es ist der Blick zu den Sternen, der Menschen zum Träumen bringt, zum Nachdenken, zum Philosophieren. Er gibt Rätsel auf und weckt unsere Neugier. Wie sehen sie aus, die fernen Welten? Sind wir allein? Werden wir je in der Lage sein, unser Sonnensystem zu verlassen? Der Weltraum ist die letzte Grenze – nicht nur räumlich, sondern auch gedanklich. Über die Faszination des Weltalls für die Menschen spricht Dr. Björn Voss, Leiter des Planetariums in Münster:
Björn Voss: "Der Weltraum ist für die Menschen schon immer sehr faszinierend gewesen. Vor Jahrtausenden schon, als man noch gar nicht wusste, was der Weltraum eigentlich ist, wie das alles aussieht oder funktioniert da draußen, wie groß das alles ist; da war es dann immerhin schon der Anblick der Sterne, man schaute hinauf und war einfach begeistert von diesem überirdischen Anblick.“
Schon seit frühster Zeit beobachteten Menschen den Nachthimmel. Astronomische Beobachtungen waren dabei nicht nur für das alltägliche Leben und die Organisation der Landwirtschaft wichtig, sondern auch für die religiöse Verehrung der Gestirne. Schon früh entwickelte sich auch die Idee eines unendlichen, grenzenlosen Universums, wie sie der römische Philosoph Lukrez im 1. Jahrhundert v. Chr. beschreibt:
Quelle Lukrez: "Wir haben ja Grenzen zwischen Dingen vor Augen. Luftschichten grenzen sich ab von den Bergen und umgekehrt, Festland aber vom Meere […]. Nur für das Weltall gibt es keinerlei äußere Grenzen. […] Da ja der Weltraum, jenseits der Grenzen unseres Kosmos, sich in unendlichen Weiten erstreckt, so wollen wir forschend klären: Was gibt es noch dort, das wir gründlichen aufhellen möchten, das auch der Schwung der Gedanken frei zu durchschweifen versuchte."

Björn Voss: "Durch die Mondlandung hat sich die menschliche Kultur den Weltraum einverleibt."
Und so richteten Menschen über Jahrhunderte hinweg ihre Blicke und Fernrohre gen Himmel und versuchten, die Weiten des Weltalls zu ergründen. Es sollte aber bis ins 20. Jahrhundert dauern, bevor man technisch in der Lage war, Raketen, Satelliten und auch Menschen selbst ins All zu befördern. Am 4. Oktober 1957 gelang es der Sowjetunion den ersten künstlichen Satelliten, Sputnik 1 genannt, mit einem Peilsender auf eine Erdumlaufbahn zu schießen. Ein Piepton ging um die Welt und sorgte für Überraschung, Erstaunen – und Schrecken:
Rückte der Weltraum mit Sputnik wieder ein wenig näher, so war die irdische Sphäre von einer klaren Grenze bestimmt: Im Kalten Krieg standen sich mit der Sowjetunion und den USA zwei feindliche Blöcke mit großem Nuklearwaffenarsenal gegenüber. Der russische Sputnik-Erfolg schürte im Westblock massive Ängste: Die USA befürchteten, die Russen könnten mit Hilfe neuer Trägerraketen und Satelliten Spionage betreiben oder gar einen Militärschlag starten. Auch bedeutet ein Rückstand in der Raumfahrt einen Prestigeverlust für den Westblock. Das wollte man natürlich nicht hinnehmen, und so begann der Wettlauf zum Mond.
Die russische Seite konnte auch weiterhin Erfolge feiern. Es gelang nicht nur, mit der Hündin Laika das erste Lebewesen in den Weltraum zu transportieren, sondern mit Juri Gagarin auch den ersten Menschen. Doch die USA zogen nach. Begleitet von einem großen Medienecho floss viel Geld in die Raumfahrt, die NASA wurde gegründet und am 12. September 1962 kündigte Präsident John F. Kennedy in seiner "Moon Speech" vor der Rice University ein ganz besonderes Projekt an:
Quelle "Moon Speech": "We choose to go to the moon. We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard, because that goal will serve to organize and measure the best of our energies and skills, because that challenge is one that we are willing to accept, one we are unwilling to postpone, and one which we intend to win."
Kennedy sollte Recht behalten. Bereits am 20. Juli 1969 betrat der Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Ein weiterer Schritt in Richtung letzter Grenze war getan. Millionen von Menschen beobachteten das Szenario vor dem Fernseher. Doch die Mondlandung war nicht nur ein einmaliges Medienereignis, sondern veränderte unser Weltbild nachhaltig:
Björn Voss: "Der Sternenhimmel, oder der Weltraum ganz allgemein, das war ja bisher immer etwas weit draußen, etwas, das sozusagen unerreichbar war, eine andere Welt darstellte. Durch die Mondlandung wurde das Ganze von diesem entrückten Andersartigen zu etwas, das wir uns so ein bisschen in die menschliche Kultur einverleibt haben. Da stand jemand auf dem Mond, man guckte hoch und sah den Mond am Himmel und dachte sich: Mensch, da oben steht jetzt grad jemand und läuft da rum und das ist, glaube ich schon, ein Aha-Effekt gewesen, dass eben Himmel und Erde nicht zwei getrennte Sachen sind, sondern dass das zusammenkommt."
Schon bald nach dem amerikanischen Triumph ebbte das Interesse an der Raumfahrt jedoch merklich ab und so hat es bis heute noch kein Mensch weiter als bis zum Mond geschafft. Doch es gibt Visionen und Pläne für die Zukunft der Raumfahrt in einer globalisierten Welt:
Björn Voss: "Die Vision ist natürlich ein bisschen, dass, wenn die Welt zusammenwächst sozusagen, wenn die Nationen immer enger kooperieren, dass das dann auch sich in der Raumfahrt widerspiegelt, dass große Projekte der Raumfahrt eben gemeinsam in Angriff genommen werden. Es fängt ja schon ein bisschen an. Es gibt diese Raumstation ISS. Aber die Vision ist, dass man in Zukunft ja vielleicht zu anderen Planeten fliegen will, zum Mars vielleicht."
Die Erforschung des Weltraums wird also nur durch internationale Zusammenarbeit möglich sein. Die Rätsel des Universums wird man nur gemeinsam lösen, die Herausforderungen nur gemeinsam annehmen können. Und vielleicht wird es der Menschheit so eines Tages gelingen, die Grenzen dessen zu überschreiten, was wir heute vom Universum gesehen haben und wissen. Der Weltraum ist und bleibt somit ein grenzenloses Abenteuer.
Dr. Björn Voss ist Astronom des Zeiss-Planetariums Münster.
Foto: copyright by nasa1fan/MSFC, Cornelia Pfeifer
